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B2B-Großhandelsplattformen in Europa im Vergleich für kleine Läden
Stand: 02.11.2026
Kleine Läden in Europa haben die Wahl zwischen zwei Arten von B2B-Marktplätzen: Marken-Plattformen wie Faire, Ankorstore und Creoate, auf denen unabhängige Marken mit Mindestmengen pro Marke und Zahlungsziel an Händler verkaufen, und Anbieter-Plattformen wie Qogita und zentrada, auf denen Großhändler und Distributoren Ware anbieten. Was passt, hängt von Ihrem Sortiment ab, davon, wie Sie bezahlen möchten, und wie oft Sie dieselben Artikel nachbestellen. Alle Konditionen stammen aus den eigenen Angaben der Plattformen und sind datiert, weil sie sich oft ändern.
Was ist ein B2B-Großhandelsmarktplatz?
Auf einem Großhandelsmarktplatz verkaufen viele Anbieter an registrierte Geschäftskunden. Sie eröffnen ein Konto, durchsuchen einen großen Katalog, bestellen bei mehreren Anbietern in einem Warenkorb und erhalten oft Leistungen, die ein einzelner kleiner Lieferant nicht bieten kann, etwa ein Zahlungsziel oder kostenlose Rücksendungen bei der ersten Bestellung.
Die Plattformen verdienen an Provisionen der Verkäufer, an Mitgliedsbeiträgen oder an beidem. Für Einkäufer kostet die Anmeldung daher meist wenig oder nichts, Preise und Mindestmengen legt aber jeder Anbieter selbst fest, und Versandkosten fallen häufig pro Anbieter an. Die Bedingungen der einzelnen Marke sind wichtiger als das Werbeversprechen der Plattform.
Die folgenden Plattformen haben wir ausgewählt, weil sie sich an kleine Läden in Europa richten. Die Auswahl ist weder vollständig noch eine Rangliste, und mit keiner davon besteht eine Geschäftsbeziehung.
Faire: unabhängige Marken mit Zahlungsziel
Faire stammt aus den USA und ist inzwischen auch in Großbritannien und Kontinentaleuropa aktiv. In einer Pressemitteilung vom 6. August 2025 kündigte das Unternehmen die Ausweitung auf 14 weitere europäische Länder an, darunter Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und die drei baltischen Staaten. Als Vorteile für Händler nannte Faire ein Zahlungsziel von 60 Tagen und kostenlose Rücksendungen bei Erstbestellungen.
Mindestbestellwerte legt jede Marke selbst fest, und die meisten Verkäufer sind unabhängige Marken mit eigenen Produkten. Der Katalog ist daher eher auf Geschenkartikel, Wohnaccessoires, Papeterie, Accessoires und Feinkost kleinerer Hersteller ausgerichtet. Wer vor allem bekannte internationale Snack- oder Getränkemarken nachkaufen will, sollte prüfen, ob diese dort überhaupt gelistet sind.
Ankorstore: niedrige Mindestmengen pro Marke
Ankorstore verbindet europäische Marken mit unabhängigen Händlern. In seinen Händlerinformationen vom 21. Mai 2024 nannte Ankorstore einen Mindestbestellwert von 100 Euro pro Marke, Zahlungsziele von bis zu 60 Tagen für berechtigte Händler, kostenlosen Versand bei Erstbestellungen für die meisten Marken und mehr als 30.000 europäische Marken. Eine kostenpflichtige Plus-Mitgliedschaft bot längere Zahlungsziele und weitere Vorteile.
Das Modell passt zu Läden, die von vielen kleinen Labels jeweils wenige Artikel möchten, etwa Concept Stores, Geschenkeläden und Feinkostgeschäfte. Wie bei Faire sind die Verkäufer überwiegend Marken und keine Großhändler etablierter internationaler Produkte.
Creoate: Kosten hängen vom Versandweg ab
Creoate ist ein Großhandelsmarktplatz, dessen Versandseite Lieferwege für Verkäufer aus Großbritannien, der EU und den USA aufführt. Diese Seite, abgerufen am 2. November 2026, zeigt, wie sehr der Weg zählt: Britische Händler zahlen bei britischen Verkäufern ab 300 Pfund pro Marke keinen Versand, darunter pauschal 10,99 Pfund. Händler in der EU zahlen bei britischen Verkäufern eine feste Gebühr zwischen 58,50 und 91 Euro, eine Grenze für kostenlosen Versand gibt es dort nicht. Mindestbestellwert oder Mindestmenge legt jeder Verkäufer selbst fest.
Laut Hilfe-Center können dauerhafte Ladengeschäfte nach Ermessen von Creoate ein Zahlungsziel von 60 Tagen erhalten; Online-Shops werden im Einzelfall geprüft. Händler in der EU sollten außerdem bedenken, dass Ware aus Großbritannien eingeführt wird, mit Zollformalitäten, Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zöllen.
Qogita: Markenware von Großhändlern
Qogita funktioniert anders: Hier verkaufen Großhändler Markenware, nicht die Marken selbst. Laut Hilfe-Center müssen Einkäufer ein registriertes Unternehmen mit Online-Shop, Ladengeschäft oder Marktplatz-Shop sein, und Käufer aus der EU müssen eine gültige USt-ID angeben. Nach Angaben der Plattform legt jeder Anbieter seinen eigenen Mindestbestellwert fest, der auf der Produktseite steht.
Auf der Startseite (abgerufen am 2. November 2026) nennt Qogita mehr als 600 geprüfte Anbieter und einen Versand von EU-Bestellungen innerhalb von 3 Tagen. Schwerpunkte sind Parfüm, Kosmetik, Gesundheit und Haushaltswaren. Für ein Drogerie-Sortiment ist das interessant; Snacks, Import-Getränke und Trendspielzeug stehen dort nicht im Mittelpunkt.
zentrada: Netzwerk für Trend- und Aktionsware
zentrada beschreibt sich als Online-Netzwerk für den Großhandelseinkauf in Deutschland und Europa. Einkäufer wählen zwischen einer kostenlosen Basis-Mitgliedschaft und einer kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft. Als Anbieter spricht das Netzwerk Importeure und Großhändler mit Lager in Europa und 200 bis 5.000 Artikeln an und gibt an, dass mehr als 300.000 Händler in Europa es nutzen. Diese Zahlen stammen von undatierten Informationsseiten.
Weil hier Händler statt Marken verkaufen, ähnelt das Angebot dem klassischen Großhandel: Trendartikel, Saison- und Aktionsware, oft mit kleinen Mindestmengen. Für Läden, die laufend wechselnde Neuheiten suchen, kann dieses Modell besser passen als eine Marken-Plattform.
Fragen vor der ersten Bestellung
Mindestmenge pro was? 100 Euro Mindestbestellwert pro Marke werden zu 500 Euro, wenn Sie bei fünf Marken bestellen. Vergleichen Sie die Mindestmenge mit der Zahl der Anbieter, die Sie wirklich brauchen.
Versand pro Anbieter. Grenzen für kostenlosen Versand gelten meist pro Marke oder Verkäufer, nicht pro Warenkorb. Viele kleine Bestellungen bei verschiedenen Anbietern können mehr Versand kosten, als die Ware wert ist.
Woher die Ware kommt. Ein Anbieter in Großbritannien oder den USA bedeutet Einfuhrformalitäten. Ein Anbieter in der EU und Ihre USt-ID bedeuten einen innergemeinschaftlichen Erwerb ohne Zoll; welche Belege dazugehören, erklärt unser Ratgeber zu Rechnung und Gelangensnachweis beim EU-Einkauf.
Etiketten und Verantwortliche. Fragen Sie bei Lebensmitteln und Spielzeug, ob die Kennzeichnung in Ihrer Landessprache ist und wer Hersteller oder Importeur ist. Ein Eintrag auf dem Marktplatz ersetzt diese Prüfung nicht.
Rechnungen. Achten Sie auf eine ordnungsgemäße Rechnung des tatsächlichen Verkäufers, wo nötig mit Ihrer USt-ID. Sie brauchen sie für Ihre Steuererklärung und, wenn Sie online verkaufen, oft auch für Prüfungen durch Marktplätze.
Wann ist der direkte Einkauf beim Großhändler die bessere Wahl?
Plattformen eignen sich gut, um neue Marken zu entdecken und mit kleinen Bestellungen zu testen. Wer dieselben Artikel jede Woche nachbestellt, etwa Snacks, Getränke oder Trendspielzeug für einen Kiosk oder Snack-Shop, fährt mit einem direkten Konto beim Großhändler oft einfacher: ein Lieferant, eine Rechnung, eine Sendung und keine Mindestmengen pro Marke.
MDH Distribution ist ein solcher Großhändler mit Lager in Mettmann. Wir verkaufen nur an Gewerbekunden und ohne Mindestbestellwert; bestellt werden ganze Kartons, zum Beispiel Takis, Samyang Buldak, LOTTE Milkis, Red Bull Sondereditionen und Squishies. EU-Unternehmen mit gültiger USt-ID erhalten Rechnungen ohne deutsche Mehrwertsteuer, und wir liefern auch in andere EU-Länder; Versandart, Kosten und Laufzeit legen wir mit Ihnen fest. Mehr dazu unter Großhandel ohne Mindestbestellwert, in der Checkliste seriösen Großhändler finden oder direkt beim Händlerkonto.
Quellen
- Faire Expands to New Zealand and 14 Additional European Countries (Faire, Pressemitteilung via Business Wire, 06.08.2025)
- Ankorstore benefits for retailers (Ankorstore Blog, 21.05.2024)
- Delivery (Creoate, abgerufen 02.11.2026)
- Who is eligible for 60-day payments? (Creoate Help Center, abgerufen 02.11.2026)
- Do I qualify for a buyer account? (Qogita Help Center, abgerufen 02.11.2026)
- Do I need a VAT and EORI number? (Qogita Help Center, abgerufen 02.11.2026)
- Buyer information (zentrada.network, undatiert, abgerufen 02.11.2026)
- Supplier information (zentrada.network, undatiert, abgerufen 02.11.2026)
Häufige Fragen
Wo kann ein kleiner Laden in Europa ohne hohe Mindestmengen im Großhandel einkaufen?
Auf Marken-Plattformen wie Faire oder Ankorstore, wo Marken ihre oft niedrigen Mindestmengen selbst festlegen, oder direkt bei einem Großhändler ohne Mindestbestellwert wie MDH Distribution in Deutschland, der ganze Kartons an registrierte Gewerbekunden verkauft.
Zahlen Händler Gebühren bei Faire oder Ankorstore?
Die Plattformen verdienen vor allem an den Verkäufern. Händler sollten trotzdem Versandkosten und Mindestmengen pro Marke prüfen; Ankorstore bot zudem eine kostenpflichtige Plus-Mitgliedschaft mit Zusatzleistungen an.
Welche Plattform eignet sich für Snacks und Getränke?
Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Marken-Plattformen führen viele Feinkost-Hersteller, Qogita konzentriert sich auf Kosmetik und Haushaltswaren, zentrada auf Trend- und Aktionsware. Für etablierte Snack- und Getränkemarken, die Sie oft nachbestellen, ist ein direktes Großhandelskonto meist einfacher.
Brauche ich für B2B-Marktplätze eine USt-ID?
Ein angemeldetes Gewerbe brauchen Sie immer. Manche Plattformen wie Qogita verlangen von Käufern aus der EU eine gültige USt-ID. Prüfen Sie die Voraussetzungen der jeweiligen Plattform vor der Anmeldung.
Was bedeutet ein Zahlungsziel von 60 Tagen?
Sie bezahlen eine Bestellung bis zu 60 Tage später und können einen Teil der Ware verkaufen, bevor die Rechnung fällig wird. Wer berechtigt ist und wie hoch der Rahmen ausfällt, entscheidet die Plattform.
Ist der Einkauf bei britischen Verkäufern für Läden in der EU anders?
Ja. Ware aus Großbritannien wird in die EU eingeführt, es fallen Zollformalitäten, Einfuhrumsatzsteuer und unter Umständen Zölle an, und der Versand ist oft teurer.
Kann ich Plattformen und einen Großhändler kombinieren?
Ja. Praktisch ist eine Aufteilung: neue Marken auf einer Plattform testen, laufende Bestseller bei einem Großhändler kaufen, bei dem Sie jede Woche nachbestellen.
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